Anna Lamberz Performance

Zu meiner abstrakten Malerei und Performance

Ich erforsche Farbe in ihren unterschiedlichen Aspekten, ihrem Wesen. Zum Beispiel Rot: Scharlachrot kann je nach Intensität des Farbauftrags zart wie ein Rosenblatt oder wild und feurig sein. Welche Formen nimmt das Rot an? Welchen Rhythmus hat das Rot, wonach verlangt es, wie klingt es? Wie verhält es sich, wenn seine Tönung sich ändert? All diesen Fragen begegne ich im Verlauf des bildnerischen Prozesses. Mir geht es nicht darum, sie intellektuell oder systematisch zu beantworten. Sie stellen sich jedes Mal neu und anders, wenn ich den Farben „nachspüre“.

Die Farbe ist mein Gegenüber und zugleich ein Teil von mir. Ich erlebe sie als Naturwesen mit unterschiedlichen Charakteren. Durch den intensiven Dialog mit der Farbe ergibt es sich, dass sie physisch erlebbar wird, sie dehnt sich aus – über den Bildraum hinaus, wird zu Bewegung und Tanz. In meinen Performances bewege ich mich in ihrem Feld – nämlich in den Projektionen meiner Bilder.

Ich lasse die Farben wie unterschiedliche Persönlichkeiten durch den Körper sprechen und erzähle meine Geschichte im Licht ihrer Projektion. Die Natur ist meine Inspirationsquelle. Während des Malprozesses tauchen Naturerlebnisse wieder auf und zeigen sich atmosphärisch im Bild. Sowohl im Tanz, als auch in der Malerei interessiert es mich, mit Gegensätzen zu arbeiten.

Im Bild können die unterschiedlichen Kräfte sein: Waagerechte und Senkrechte, Fläche und Linie, Bewegung und Ruhe, Kraftvolles und Zartes, Verdichtung und Transparenz …

Das Malen ist für mich ein meditativer Prozess, der Zeit braucht. Meist entwickelt sich im Verlauf des Malprozesses die Form aus der Farbe heraus: Wenn ich mit Schlagmetall oder Blattgold arbeite, die schon wegen ihrer Beschaffenheit nach einer Form streben, gehe ich von der Form aus. Sie verändert sich und wird durchbrochen, bewegt von der Farbe. Wenn die Form im Bild zu dominant ist, kann die Farbe nicht mehr „atmen“. Ich versuche im Bild die beiden Pole Farbe und Form – Fließendes und Festes, Auflösung und Struktur – anzunähern.

So kann die Farbe an Tiefe gewinnen. In der Erarbeitung einer Performance gehe ich von einer Erzählung, einem Charakter aus, der sich in einem oder verschiedenen Atmosphären oder Farbfeldern bewegt. Ich suche nach ihm entsprechenden Bewegungen. So nimmt er Form und Rhythmus an. Oder – ich spüre erst Bewegungen und Formen nach, die der Körper einnimmt. Sie „füllen sich mit Farben“.

So finde ich durch die Bewegung zum Ausdruck und es entsteht eine Geschichte. Ich lade den Betrachter ein, seiner Wahrnehmung zu folgen, einzutauchen in die Farbatmosphären meiner Bilder, sich zu erinnern an Zartes, Kraftvolles, Vergessenes …

Mit meinen Performances möchte den Zuschauer überraschen und verzaubern.

München, den, 6.12.2016